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AMD und Intel – In der Liebe und im Krieg sind alle Mittel erlaubt - 3/3
09.10.2002 by Christoph

Die Gegenwart
Heute ist RAMBUS kaum mehr teurer als DDR-SDRAM, doch selbst Intel will sich von RAMBUS abkehren. DDR-SDRAM Chipsätze für Pentium 4 und Xeon hat Intel längst bereit gestellt, die Marktdurchdringung ist wieder fast wie zu besten Zeiten. Auch in der Taktrate ist man AMD wieder weit überlegen.

AMD seinerseits gerät scheinbar in Panik wie einst Intel. Der schnellste derzeit verfügbare Prozessor ist nach wie vor der 2200+, während Intels 2,8GHz Bolide längst verfügbar und weit überlegen ist. So reagiert AMD bereits seit sechs Wochen nur mit einem Paperlaunch nach dem anderen. Da wurden 2400+ und 2600+ bereits vorgestellt und sind heute immer noch nirgends verfügbar. Nichtmal ein Testexemplar, welches die US-Kollegen gar ungefragt geschickt bekamen. Während man darüber noch ungläubig mit dem Kopf schüttelt liest man doch dieser Tage einen Review von 2700+ und 2800+ CPU´s von AMD. Der 2700+ soll demnach bereits ab November verfügbar sein, während der 2800+ mit seinen fast 74 Watt Verlustleistung frühestens 2003 das Licht der Welt erblicken und OEMs vorbehalten bleiben soll. Man kann auch nur hoffen dass es so bleibt, denn bei dieser Verlustleistung werden viele Selbstbauer die CPU wohl rösten. Gleichzeitig markiert der 2800+ wohl auch das definitive Ende der Taktsteigerung beim Athlon XP. Die höchste Verlustleistung bei einem AMD Prozessor kann beim gleichzeitig kleinsten Die der Athlon-Familie kaum noch abgeführt werden. Gleichzeitig wird bekannt, dass bei allen Presseexemplaren (T´Bred B) ab dem 2400+ die Thermal Diode nicht funktioniert. Ein Schelm wer denkt, AMD hätte eine gesamte Monatsproduktion verschrottet, den Fehler behoben und die Produktion neu anlaufen lassen und dies sei nun der Grund für die wochenlange Verzögerung seit der Produktankündigung. Nur solche defekte CPU´s dann auch noch an die Presse zu schicken, klingt schon arg nach einer Verzweiflungstat. Es bleibt abzuwarten, ob der Fehler am Ende bei Auslieferung wirklich behoben ist.

Des weiteren vergleicht AMD in seinen Benchmarks immer gegen Intels P4 mit DDR-RAM, mit der Begründung, dass RAMBUS ja praktisch keine Marktdurchdringung hat. Das ist auch nachvollziehbar. Es ist schon nett, dass AMD den P4 nicht gar mit SDRAM ausstattet. Denn diese Variante hat derzeit noch die größte Marktdurchdringung. Pikant wird es jedoch erst jetzt, wo AMD seine 2700+ und 2800+ Prozessoren zusammen mit einem Beta-Mainbaord der Firma Asus, ausgestattet mit dem Beta-Chipsatz nForce2 von nvidia ausliefert, als Testbasis. Eine Plattform die bereits im Juli vorgestellt wurde, bis heute jedoch nicht käuflich zu erwerben ist. Zum Erscheinen dieses Artikels werden jedoch die ersten nForce2 Chipsätze an die Board-Hersteller ausgeliefert.

Das ist Marketing ! Wer sich bisher beim Einsatz von AMD-CPUs wenigstens noch als moralischer Sieger fühlte, sollte nun so langsam aufwachen. Wenn AMD nun doch noch den Barton bringen wird, mit seinen 512kb Cache, kann durch das größere Die die Hitze wieder besser abgeführt werden. Eine weitere Taktsteigerung und somit höhere Verlustleistung ist jedoch kaum vorstellbar.

AMD´s Hammer lässt dagegen weiter auf sich warten. Probleme mit dem neuen Fertigungsprozess SOI munkelt man. Da der Hammer im Kern jedoch ein modifizierter Athlon bleibt, abgesehen von 64-Bit Erweiterung, Hypertransport, integriertem Speicherinterface und verbesserter Sprungvorhersage, darf man weiterhin sehr gespannt sein. Wie einst am Athlon, so hängt das Fortbestehen von AMD jetzt am Hammer. Doch die Ausgangsposition ist heute weitaus besser als bei der Einführung des Athlon vor drei Jahren. Neben AMD selbst, werden VIA, ALi, SiS, ATI und Nvidia wohl nicht sang und klanglos abwarten um anderen den Vortritt zu lassen. Viele Motherboardhersteller stehen schon in den Startlöchern. Wenn der Hammer kommt, wird AMD auf diese nicht mehr monatelang warten müssen.

Der Kreis schließt sich
Es ist der technische Fortschritt, seine Geschwindigkeit und eben auch solche Ereignisse die uns faszinieren. Wer diese Ereignisse bewusst und live miterlebt hat, weiß wovon die Rede ist. Man darf eben auch nicht den Unterhaltungswert eines harten Wettbewerbs unterschätzen und auf eine Aktion folgt in der Regel eine Reaktion. Eine Meinung kann sich dazu jeder selber bilden.

Dieser Artikel ist lediglich eine Zusammenfassung von Ereignissen und bewusst an einigen Stellen etwas provokant formuliert. Keiner ist ein Engel und niemand muss an den Pranger. Trotz all dieser Widrigkeiten haben uns beide Hersteller ein enormes Leistungspotenzial zu erschwinglichen Preisen beschert. Nicht zu letzt deswegen ist ein PC heute genauso selbstverständlich wie ein Fernsehgerät. Entsprechend ist das PC-Geschäft viel weniger ein boomender Markt, sondern nur noch abhängig von Wiederbeschaffungszyklen, also wie eben beim Fernseher. Das heißt in immer kürzerer Zeit werden immer leistungsfähigere Produkte auf einen immer weniger wachsenden Markt geworfen. Ein Ende dieser Entwicklung ist nicht abzusehen, doch die Software, die uns einst Zwang ständig in neue Hardware zu investieren, gibt es heute nicht mehr. Selbst die Spiele Entwickler hängen der derzeitigen Entwicklung fast um ein Jahr hinterher. Nur durch gigantische Auflösungen lässt sich heutige Hardware ins Schwitzen bringen, jedoch mit einem geringen optischen Effekt. Bei realistischen Auflösungen werden daher schon dreistellige Bildwiederholraten erreicht, wie kein Monitor sie darstellen und schon lange keine Auge mehr wahrnehmen kann. Das lässt natürlich viel Raum für weitere qualitative Verbesserungen an der Software selbst.

Wie sich die weitere Entwicklung verhält, bleibt abzuwarten. Solange die reine Leistung der Produkte eigentlich kein Thema mehr ist, sollten vielleicht andere Themen in den Mittelpunkt des Interesses rücken. Dinge wie Service und Aufrichtigkeit bei den Herstellern und Händlern und vielleicht sollte man sich auch Gedanken über den Einfluss auf die Gesundheit machen, denn in Sachen Ergonomie und EMV ist noch viel Raum für Verbesserungen. Und wer täglich seinen Hausmüll trennt, denkt vielleicht auch einmal an die Umweltverträglichkeit von Geräten, die im Dreijahreszyklus regelmäßig auf dem Sondermüll landen und im Laufe dieser Zeit mehr Energie verbrauchen als jedes andere Gerät im Haushalt.

Täglich ist in den Marketingkampagnen der Hersteller zu lesen, was die Kunden sich wünschen sollen. Doch was wünschen die Kunden sich wirklich ?

Folgende Links geben im Detail Aufschluss über die geschilderten Ereignisse, sofern sie nicht persönliche Erfahrungen des Autors widerspiegeln :

Zusätzlich noch ein Buch Tipp, für Interessierte die sich mit der Geschichte beider Halbleiterhersteller intensiver auseinander setzen wollen:
"Inside Intel" von Tim Jackson aus dem Verlag Hoffmann und Campe, ISBN 3-455-11204-8

1. Das Vorspiel
2. Die Jüngere Geschichte
3. Die Gegenwart und Quellen

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