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Gefangen im Datennetz: Verdammt in alle Ewigkeit? - Duckansicht
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Ob auf der eigenen Webseite, in diversen Foren oder den Internetauftritten von Schule, Universität oder der bisherigen Arbeitgeber: Jeder hinterlässt überall im Netz Spuren, die sich leicht zurückverfolgen und miteinander verknüpfen lassen. Hieraus ergibt sich ein virtuelles Abbild mit einem schier ewigen Gedächtnis, welches möglicherweise bereits bei der nächsten Bewerbung zum Problem werden kann.

In Karriereportalen wie JobScout24 oder Monster preisen die Benutzer ihre Vorzüge an, doch mehr und mehr Arbeitgeber blicken bereits viel weiter hinter die Kulissen. Was vor wenigen Jahren noch unvorstellbar gewesen wäre, ist im Zeitalter der Informationsgesellschaft bereits gang und gäbe: Mit Hilfe des Internets wird das Privatleben der Bewerber durchleuchtet und ihr soziales Umfeld begutachtet.


Informationsquellen: Web 2.0 Angebote und Diskussionsforen

Es bedarf keines eigenen Blogs oder eines Accounts bei Secondlife, um Hans Mustermann genau unter die Lupe nehmen zu können. In einem Automobilforum erzählt er der Welt, dass er sich ein neues Auto kaufen möchte und fragt nach den Erfahrungen anderer Teilnehmer. Hans steht auf starke Motoren und hat aufgrund seiner finanziellen Lage gewisse Probleme, seiner Frau die 280 PS des gewünschten Modells schmackhaft zu machen, was er in einem Nebensatz erwähnt. Seine Frau ist indes in einem Kosmetik-Forum aktiv, schreibt dort über die beiden Kinder und ihre Eheprobleme. Hans verrät seinen Auto-Freunden in der Zwischenzeit, dass er den Neuwagen erst einmal zurückstellen muss, da er am Wochenende ein Bier zuviel getrunken hatte. Und ausgerechnet der Polizist Kevin Simpel hatte ihn erwischt, der sich auf dem letzten Staßenfest mit kleinen Feiglingen derart abgeschossen hatte, dass er sich in die Mülltonne des Nachbarn übergeben musste. Das passende Video hierzu läd Hans auf YouTube und bindet den Link im Auto-Forum gleich ein. Zu blöd, meckert Hans weiter, dass mich meine Frau nun die nächsten Wochen jeden Montag zum Training beim FC Musterhausen fahren muss.


Webarchive horten die Sünden vergangener Tage

Was Hans Mustermann wahrscheinlich wie ein harmloses Gespräch mit einem Nachbarn am Gartenzaun bewertet, ist eine Veröffentlichung für die Ewigkeit. Informationen die einmal ins Netz gestellt wurden, lassen sich aus diesem kaum wieder entfernen. Man kann zwar Forenbeiträge löschen und Webseiten aus dem Netz nehmen, doch im Cache der Suchmaschinen oder in Webarchiven finden sich viele Daten auch noch nach Jahren wieder. Schlimmer noch: Im Gegensatz zum Nachbarn hat das WWW nicht nur ein ewiges Gedächtnis, sondern auch noch unzählige Zuhörer - die ganze Welt hört mit!


Spickmich: Schüler urteilen über ihre Lehrer

Und man erfährt nicht nur etwas über jene Menschen, die Informationen über sich selbst freiwillig preis geben, sondern auch über Dritte, welche ohne ihr eigenes Zutun im Rahmen eines oft belanglosen Informationsschwalls beschrieben, bewertet und gelegentlich auch denunziert werden. Einige Web 2.0 Angebote leben sogar davon, dass ihre Mitglieder eine Bewertung über unbeteiligte Personen fällen. Das bekannteste Beispiel für diese Kategorie dürfte wohl Spickmich sein, wo Schüler eine Beurteilung ihrer Lehrer erstellen. Einige Lehrer haben versucht, sich gegen diese Darstellung und Bewertung ihrer eigenen Person mit rechtlichen Mitteln zu wehren - allerdings ohne Erfolg.




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Wie man die Informationen findet
Doch wie findet man unter den Milliarden von Webseiten Informationen über eine bestimmte Person? Das Vorgehen ist denkbar einfach: Man gibt bei Google den Vornamen und Nachnamen der gesuchten Person an und findet mit hoher Wahrscheinlichkeit ein paar passende Webseiten.


Google, die wichtigste Suchmaschine im Netz

Hat man erst einmal einen Anhaltspunkt, beispielsweise ein Mitgliedskonto für ein Diskussionsforum, für dass der Realname hinterlegt wurde, kann man sich dann über die dortigen Beiträge oder auch über den verwendeten Nickname weiterhangeln. Auf die Suche nach Personen spezialisiert sind Suchmaschinen wie Spock oder Peekyou, wobei letztere auch Benutzer- oder Nicknamen einschließen kann.


Intelius sucht auch nach Sozialversicherungsnummern

Einen Schritt weiter gehen Pipl.com, YoName.com, Stalkerati.de und Yasni.de, denn hier werden zusätzlich soziale Netzwerke wie Facebook, Secondlife, Linkedin, Myspace, StudiVZ und Xing durchforstet. Der Dienst Intelius.com greift zudem über Telefonnummern und Sozialversicherungsnummern auf öffentliche Datenbanken in den USA zu. Damit lassen sich dann auch die vorherigen Wohnorte, Arbeitgeber oder das polizeiliche Führungszeugnis abrufen, diese Daten sind allerdings gebührenpflichtig.


Maltego versucht die gefundenen Daten zu vernetzen

Die nächste Stufe stellt die derzeit noch im Aufbau befindliche Suchmaschine Maltego dar: Sie versucht die gefundenen Daten miteinander zu verknüpfen und zudem Verbindungen zu weiteren Personen herzustellen. Dadurch kommen nicht nur die eigenen Fehltritte ans Tageslicht, sondern auch all die Spuren, welche das soziale Umfeld der gesuchten Person im weltweiten Datennetz hinterlassen hat. Wer engen Kontakt zu Mitmenschen pflegt, die im Internet kritische oder gar radikale Äußerungen tätigen, landet schnell in der Schublade "Störenfried". Sollte sich ein flüchtiger Bekannter aus Studienzeiten Jahre später als gewaltbereiter Islamist zu erkennen geben, sind die Kontakte über längst vergessene Arbeitsgruppen im Web auch weiterhin präsent und man kann nur hoffen, nie etwas geschrieben zu haben, dass sich falsch interpretieren lässt.


Blinkx findet gesprochene Texte in Videos und Podcasts

Und selbst Videos und Podcasts werden von Suchmaschinen wie Blinkx längst nach Stichwörtern durchforstet, so dass man auf der Betriebsfeier lieber keine Paraodie auf den Chef machen sollte, denn Kollege Meier könnte diese später bei YouTube einstellen. Die Einladung zum nächsten Bewerbungegespäch kann derjenige abhaken, der in seinen Videos allzu geschmacklos herumblödelt: Das Risiko eines Fehltrittes wird vom potentiellen Arbeitgeber wahrscheinlich als zu hoch eingestuft.




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Der virtuelle PR-Manager
Insbesondere das Web 2.0, das Mit-Mach-Netz mit seinen sozialen Verstrickungen, eignet sich hervorragend zum Erstellen von Personenprofilen. Die Menschen werden dazu animiert, möglichst viele Daten über sich preiszugeben und zugleich Kontakte zu anderen Personen aufzubauen. Dabei begreifen die Teilnehmer meist nicht, wo die Privatsphäre endet und der öffentliche Bereich anfängt. Die Regel ist jedoch ganz einfach: Nichts, was ich im Internet von mir preisgebe, ist privat.


Web 2.0 Plattformen wie studiVZ sind beliebt - auch als Datenquelle

Dennoch raten viele Experten dazu, umfangreiche Daten im Netz zu hinterlassen, denn wer nicht gefunden werden kann, macht sich erst recht verdächtig und ist zumindest ein technologiefeindlicher Eigenbrödler. Doch die Informationen, welche man hinterlässt, sollten natürlich von Vorteil für die eigene Person sein. So kann man sich als hilfsbereit und kompetent präsentieren oder auch seinen Vorgesetzten loyal verteidigen, falls dieser vor Dritten kritisiert wird. Wichtig ist es, keine echten Schwächen zu zeigen und dennoch menschlich zu wirken. Extreme Positionen und Geschmacklosigkeiten müssen unter allen Umständen vermieden werden, persönliche Probleme bieten ebenfalls eine Angriffsfläche und gehören nicht ins Netz. Was im Internet zu finden ist, sollte ein Idealbild sein, das nicht viel mit der wirklichen Person zu tun haben muss.


Profilactic: "Preventing an online identity crisis"

Im Prinzip handelt es sich um eine Werbekampagne in eigener Sache und auch hierfür gibt es die notwendigen Werkzeuge. Dienste wie ClaimID, Profilactic oder das deutsche my ON-ID erlauben es, Informationen über die eigene Person zusammenzufassen. Hierbei werden auch Accounts bei sozialen Netzwerken berücksichtigt, sofern deren Auflistung gewünscht wird. Gerne werden zudem noch Verknüfungen zu anderen Profilen hergestellt, damit das Ranking dieser und der eigenen Seiten steigt und sie in den Suchmaschinen nach vorne wandern. Die Verbindung zu Dritten gibt dem Profil zusätzliche Glaubwürdigkeit und ermöglicht es zudem, dezent Referenzen einzubauen. Wer wichtige Personen kennt oder dies zumindest vorgeben will, wird diese als Kontakte einbetten. Wenn man Glück hat, landet man auch auf der Kontaktliste der Gegenseite und macht sich somit ebenfalls wichtig. Das Ziel besteht eindeutig darin, das positive Ich im Web zu verbreiten, damit der Suchende nur das findet, was er finden soll.


my ON-ID: Eigenmarketing und Reputationsmanagement

Diese Werkzeuge lassen sich natürlich ebenso dazu verwenden, ein Anti-Ich zu konstruieren. Nicht nur Namenszwillinge sind in der Lage, den Suchenden ungewollt auf die falsche Fährte zu schicken. Es ist problemlos möglich, im Internet falsche Informationen zu streuen, um andere Personen zu diskreditieren. Vielleicht war es, um auf unser anfängliches Beispiel zurückzukommen, gar nicht Hans Mustermann, der im Auto-Forum über seine Geld-, Ehe- und Alkoholprobleme schrieb. Möglicherweise war es sein Nachbar, der ihm wegen des kaputten Gartenzaunes eins auswischen wollte. Amerikanische Politiker demonstrieren ja bereits seit einiger Zeit, wie man seinen Gegner im Internet difamiert. Selbst die Online-Enzyklopädie Wikipedia wurde bereits mehrfach für solche Zwecke missbraucht.

Im Web grundsätzlich alles hinterfragen
Niemand garantiert dafür, dass die Informationen, welche im Internet zu finden sind, auch tatsächlich der Wahrheit entsprechen oder überhaupt von der Person stammen, welche sie angeblich eingestellt hat. Jeder kann im Internet zum Angriffsziel werden, jeder kann das Blaue vom Himmel herunterlügen und jeder kann diese Informationen abrufen. Das größte Problem ist allerdings, dass die Wenigsten diese Daten auch kritisch hinterfragen. Der Kampf zwischen dem unbewußt gestreuten Ich, dem geplanten Ideal-Ich und dem von Feinden ersonnenen Anti-Ich hat bereits begonnen und die Psychiater dürfen sich auf zahlreiche virtuelle Persönlichkeitsspaltungen freuen. Man sieht sich auf der virtuellen Couch in Secondlife.

Wir raten frei nach Winston Churchill:
"Trauen sie keinem virtuellen Abbild, das sie nicht selbst gefälscht haben!"





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